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Die Salinen Austria AG hat seine Stückgutlogistik reorganisiert.

Herzstück des Projekts ist das neue Logistikzentrum mit dem größten Holz - Hochregallager der Welt.

Ebensee ist nicht nur Produktions-, sondern auch Distributionszentrum für Salz. Bisher gelangte dieses in einem mehrstufigen Distributionsprozess über Zwischenhändler, die teilweise auch die Produkte veredelten und kommissionierten, zu den Kunden. Kein optimales Verfahren, wie Norbert Humer, Leiter Logistik und Supply Chain Management bei Salinen Austria, erklärt: „Diese mehrstufige Distribution kostet sehr viel Geld. Das ist vor allem bei einem Produkt wie Salz mit einem relativ geringen Warenwert problematisch. Zudem war unser Lieferservicegrad in dieser Struktur nicht befriedigend.“

Der Salzproduzent suchte daher nach Möglichkeiten, seine Logistik zu optimieren. Nachdem wir die Logistikkosten analysiert und auch die geplanten Mengensteigerungen berücksichtigt haben, war für uns klar, dass wir die Distribution an einem Standort zentralisieren mussten", sagt Humer. Zur Auswahl standen mehrere Alternativen: Sollte ein neues zentrales Logistikzentrum direkt am Produktionsstandort errichtet werden oder besser auf der grünen Wiese in verkehrsoptimierter Lage? Ist es sinnvoll, die Logistik an einen Dienstleister auszulagern? Oder sollte Salinen das Zentrum selber betreiben und wenn ja, mit welcher Lagertechnik? Im Jahr 2005 ging das Unternehmen diesen Fragen nach und analysierte die unterschiedlichen Möglichkeiten. Das Ergebnis: Ein neues Logistikzentrum am bisherigen Standort Ebensee mit weitgehend automatischer Lagertechnik ist die optimale Lösung.

Kern des neuen Logistikzentrums ist ein 25 m hohes Hochregallager mit Platz für 11.000 Paletten werden, welches das alte Stückgutlager ablöst und zudem über ein eigenes Kommissionierlager verfügt. Doch anders als das alte sollte das neue Lager nicht aus Stahl sein. Hier hatte Salinen schlechte Erfahrungen gemacht: Trotz vierfacher Schutzlackierung hatte das überall auf dem Werksgelände vorhandene Salz die Metallregale angegriffen und immer wieder zu Korrosionsschäden geführt. „Daher war es für uns naheliegend, das Hochregallager nicht aus Stahl, sondern aus einem Material zu bauen, dem Salz keinen Schaden zufügen kann - nämlich Holz", erläutert Humer.

Im September 2006 starteten schließlich die Arbeiten - allerdings nicht ohne Probleme. Mitten durch das Baufeld verliefen Abschnitte der 40 km langen Soleleitungen, in denen das Salz von den Bergwerken nach Ebensee kommt. Diese mussten zuerst umgeleitet werden, um das Lager wie geplant drei Meter tief in den Boden bauen zu können. Ein aufwändiges Unterfangen, musste doch für die Verlegung der Rohre zuerst der Abbauprozess in den Bergwerken gestoppt, die Pipelines mit Wasser gefüllt und letztendlich geleert werden. Nachdem die Leitungen erfolgreich verlegt waren, begannen die eigentlichen Bauarbeiten, sodass im Dezember 2006 bereits das Fundament fertig gestellt war. Auch der Brandschutz-Aspekt stand dem neuen HRL nicht im Wege. „Als ich bei dem entsprechenden Sachverständigen angerufen und ihm mitgeteilt habe, dass wir gerne ein Hochregallager aus Holz bauen wollen, war zuerst einmal Schweigen", sagt Humer. „Dann aber war seine Antwort `neue Ideen braucht das Land` und er war im wahrsten Sinne Feuer und Flamme. Letztendlich war es ihm aus Feuerwehrsicht wesentlich lieber, ein Lager aus Holz zu realisieren, da hier das Brandverhalten besser abgeschätzt werden kann."

Damit stand dem eigentlichen Regalbau nichts mehr im Wege, sodass im Februar 2007 die Montage des Lagers erfolgte. Nach einem ausgeklügelten Produktionskonzept wurde das neue Hochregallager in mehreren vorgefertigten Modulen erstellt. Diese Module transportierten Tieflader-Lkw anschließend nach einem genauen Verlade- und Terminplan in rund 50 Spezialtransporten nach Ebensee. Vor Ort wurden die einzelnen Teile am Boden zusammengeschraubt, als 11 x 25 m große vormontierte Regalelemente mithilfe eines Krans hochgezogen und im Fundament verankert. Immer wenn ein Block des Lagers fertig war, folgte im Anschluss der Bau des entsprechenden Fassaden- und Dach-Abschnittes sowie die Installation der Sprinkler- und Brandschutzanlagen.

Innerhalb von sieben Wochen war auf diese Weise das eigentliche Hochregallager fertig. Humer: „Das war Rekordzeit. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, im Stahlbau in der kurzen Zeit ein derartiges Regal aufzubauen." Ab Mai 2007 wurde die Lagertechnik und die Förderanlagen installiert, die das Hochregallager an die Produktion und an das neue Kommissionierlager anbindet. Im Oktober ging das neue Logistikzentrum in Betrieb. Seither stehen Salinen Austria in dem weltweit größten Holz-Hochregallager auf einer Grundfläche von 2.420 m² rund 11.000 Palettenstellplätze in vorwiegend doppeltiefer Lagerung zur Verfügung. Das dreigassige Hochregallager wird dabei durch den Zuführloop zu den sechs Regalbediengeräten in zwei asymmetrische Hälften geteilt. Das vollautomatische Lager soll bis zu 470 Palettenein- und auslagerungen pro Stunde bewältigen.

Norbert Humer zeigt sich aber bereits jetzt mit der Entscheidung für ein Holz-Regallager zufrieden. „Für uns war das die perfekte Lösung, gerade wegen der Korrosionsproblematik. Zudem haben wir 15 Jahre Werksgarantie, die ich bei keinen Stahlbauer bekomme."

Neben dem HRL erhält Salinen in dem rund 11 Mio. Euro teuren neuen Logistikzentrum auch ein neues Kommissionierlager, in dem 120 Palettenstellplätze zur Verfügung stehen. Damit kann das Unternehmen die Kommissionieraufgaben, die bisher die Salzfachhändler übernehmen, selbst erledigen und in Zukunft von Ebensee aus statt bisher nur Ganz- auch Mischpaletten versenden.

Zudem umfasst das neue Logistikzentrum eine Versandhalle. Durch den vollautomatischen Betrieb des Lagers können hier über zwei Querverschiebewagen die versandfertigen Paletten aus dem HRL rund um die Uhr an einer der acht Verladerampen zur Abholung bereit gestellt werden. „Das erhöht nicht nur die Flexibilität der Transporteure. Es gibt selbst im Winter, wenn täglich bis zu 400 Lkw abgefertigt werden, keine Wartezeiten mehr, da die Lkw-Anfahrten getaktet sind", sagt Humer. „Mit dieser Maßnahme wirken wir natürlich auch den steigenden Transportkosten entgegen, die bei uns rund ein Drittel der Gesamtunternehmenskosten betragen." Von dem HRL besteht aber auch eine Fördertechnik-Anbindung an das Bahngleis. Zwar verlädt Salinen von den bisher jährlich rund 250.000 Paletten lediglich etwa 30.000 auf die Bahn. „Dieser Anteil soll sich in diesem Jahr auf rund 60.000 Paletten erhöhen", meint der Salinen-Logistikleiter.

Insgesamt kommt der Salzproduzent mit dem neuen Logistikzentrum einen großen Schritt bei der Optimierung seiner Stückgutlogistik voran. Geplant ist, den Liefergrad auf über 95 Prozent zu steigern. Und durch die Umstellung von mehrstufiger auf einstufige Distribution ohne den Umweg über die Zwischenhändler erhofft sich Salinen Austria deutliche Einsparungen. Humer: „Durch die Zentralisierung werden wir unsere wesentlichen Distributeure ablösen. Das wird uns unterm Strich helfen, die Logistikkosten um 40 Prozent zu senken." Doch damit nicht genug, weitere Optimierungsmaßnahmen sind bereits geplant.

Tag der offenen Tür am 27. Juni 2008

Ende Juni lud die Salinen Austria AG zur Besichtigung in die Steinkogelstraße ein.

Die Salinen Austria AG produzierte am Standort in Ebensee bis Herbst 2007 rund 800.000 t Siedesalz pro Jahr. Nach dem Ausbau der Produktionskapazität mit Investitionen von in Summe rund € 100 Mio. (Bau eines vierten Verdampfers, einer dritten Lagerhalle, eines Fertigwarenlagers und zahlreicher Nebenaggregate) steht seit November 2007 eine jährliche Produktionskapazität von 1,1 Mio. to und ein Lagervolumen von 300.000 to zur Verfügung.

Ende Juni lud die Salinen Austria AG zur Besichtigung in die Steinkogelstraße ein. Am Freitag, den 27.06., öffnete die Saline zwischen 09 und 13 Uhr ihre Tore. In Besucherführungen konnten die neuen Anlagen besichtigt werden. Rund 300 interessierte Gäste folgten der Einladung und nahmen an den umfangreichen Führungen und dem gemütlichen Beisammensein im Anschluss teil.